Ein Garten aus Stein und Schatten

Der Sonnenuhr‑Garten

Die älteste Uhr der Welt hat kein Räderwerk. Nur einen Stab, ein wenig Sonne und Geduld. Komm herein und sieh sie Dir an.

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Jetzt ist es Nacht über Europa, und eine Sonnenuhr schweigt, wenn keine Sonne da ist. Am Morgen legt sie ihren Schatten wieder auf den Stein.

Wie sie arbeitet

Drei Dinge, mehr braucht sie nicht

Eine Sonnenuhr misst keine Zeit. Sie zeigt, wo die Sonne gerade steht, und das genügt vollkommen.

  1. Ein Stab, der zum Himmel zeigt

    Er heißt Gnomon, das griechische Wort für den Erkenner. Steht er richtig, dann zeigt er genau dorthin, wo sich der Himmel zu drehen scheint, zum Polarstern.

  2. Die Erde dreht sich, der Schatten wandert

    In vierundzwanzig Stunden dreht sich die Erde einmal ganz herum. Das sind fünfzehn Grad in jeder Stunde, gleichmäßig, ohne Eile.

  3. Der Stein zählt mit

    Auf der Platte sind die Stunden eingeschlagen. Wo der Schatten liegt, dort ist die Stunde. Es gibt nichts zu bedienen und nichts, was kaputtgehen kann.

Was im Garten steht

Sechs Arten, den Schatten zu lesen

Jede beantwortet dieselbe Frage auf ihre eigene Weise, und jede hat ihren eigenen Platz: den Rasen, die Hauswand, die Westentasche.

Was auf ihnen steht

Die Sprüche im Stein

Kaum eine alte Sonnenuhr kommt ohne einen Satz aus. Meistens auf Lateinisch, meistens über die Zeit, und fast immer mit einem leisen Ernst.

Woher sie kommen

Dreieinhalbtausend Jahre Schatten

  1. Um 1500 vor Christus

    Ägypten

    Aus dem alten Ägypten sind die ersten Schattenuhren erhalten: ein waagerechter Balken mit einem aufragenden Querstück, das seinen Schatten auf eine Skala warf.

  2. 6. Jahrhundert vor Christus

    Der Gnomon kommt nach Griechenland

    Anaximander von Milet wird überliefert als derjenige, der den Schattenstab in die griechische Welt brachte. Gnomon heißt schlicht: der Erkenner.

  3. 263 vor Christus

    Eine Uhr, die falsch ging

    Die Römer brachten eine erbeutete Sonnenuhr aus Catania nach Rom und stellten sie auf. Fast hundert Jahre lang richtete sich die Stadt nach ihr, obwohl sie für eine andere Breite geschnitten war und darum nie ganz stimmte.

  4. Mittelalter

    Die Stunden der Mönche

    An unzähligen Kirchen wurden einfache Halbkreise in die Südwand geritzt. Sie zeigten nicht die Uhrzeit, sondern die Gebetszeiten. Viele dieser Kratzspuren sind noch da, wenn man weiß, wo man hinsehen muss.

  5. 16. Jahrhundert

    Nürnberger Handwerk

    Nürnberger Kompassmacher fertigten kunstvolle Klappsonnenuhren aus Elfenbein und verkauften sie durch halb Europa. Eine Taschenuhr, lange bevor es Taschenuhren gab.

  6. 18. Jahrhundert

    Die Sonne stellt die Räderuhr

    Mechanische Uhren gingen ungenau und mussten nachgestellt werden. Wonach? Nach der Sonnenuhr im Garten. Erst die Eisenbahn machte daraus die einheitliche Zeit, die wir heute alle tragen.